Stromschnellen: Die MVB-Trafos

In diesem Beitrag wird's elektrisierend - denn es geht um den Strom für unsere Bahnen. Der kommt nicht aus der Steckdose, sondern wird gewissermaßen extra "hergestellt". Ich schreibe das so, weil der Strom selbst natürlich wo anders erzeugt wird. In Kraftwerken, Solarparks und Windenergieanlagen. Bei uns wird er dann nur so umgewandelt, dass die Straßenbahnen damit fahren können, dazu später mehr.

Was ist Fahrstrom?

Der Fahrstrom ist quasi das Lebenselexir unserer Bahnen. Neben den Fahrmotoren, mit denen sich die Wagen fortbewegen, wird dieser auch für alle elektrischen Verbraucher benötigt. Zum Beispiel für die Türen, die Heizung und Lüftung oder aber für die Fahrkartenautomaten und Beleuchtung. Apropos: in unseren Bahnen leuchten übrigens schon heute sparsame LEDs, das senkt den Energieverbrauch in der dunklen Jahreszeit. Aber zurück zum Thema: Genau wie bei der Modellbahn fahren die Trams mit Gleichspannung, allerdings keine 12, sondern 600 Volt.
Diese Spannung müssen wir, also die Verkehrsbetriebe, selbst erzeugen. Dafür gibt es die sogenannten Gleichrichterunterwerke, kurz GUW. Hinter diesem sperrigen Namen verbirgt sich eine elektrische Anlage, in der die 10 000 Volt Wechselspannung vom Energieversorger zu den 600 V Gleichspannung für unsere Bahnen umgewandelt wird. Aus Wechselspannung wird also Gleichspannung, weshalb die Fachleute dazu auch "Gleichrichter" sagen. Bei der Modellbahn gibt es das übrigens auch: Der Trafo, mit dem man die Geschwindigkeit der kleinen Bahn steuert.

Moderne Anlagen für die Zukunft

Diese Gleichrichterunterwerke sind also ziemlich wichtig für den reibungslosen Betrieb. Entsprechend wichtig ist es auch, diese Anlagen auf dem neuesten Stand zu halten und so investieren wir zusammen mit unseren Förderpartnern in diese Infrastruktur. Dabei bekommen einige GUW eine Frischzellenkur, indem sie von Grund auf neu errichtet werden. Zudem schützen wir diese Neubauten vor Vandalismus, und zwar mit Farbe! Für den Schutz vor illegalen Sprayern hat sich eine Gestaltung durch professionelle Künstler bewährt. So sind auf den Fassaden neben vielen Bildmotiven aus dem Betriebsalltag auch Bildmotive von Kundinnen und Kunden zu sehen. In mehreren Ideenwettbewerben wurden in der Vergangeheit aus den eingereichten Vorschlägen die beliebtesten gekürt, welche dann auf den Unterwerken verwirklicht wurden. Mit dieser Gestaltung machen die würfeligen kleinen Gebäude auch für die Umgebung einen guten Eindruck.

 

Zum Inneren haben indes nur Fachleute zutritt. Hier sind viele Geräte verbaut, die Hochspannung führen. Zudem fließen durch die Kabel auch hohe Stromstärken von bis zu mehreren hundert Ampere. Aus diesem Grund dürfen sich in der Nähe und in den Unterwerken selbst nur befugte Personen aufhalten. Andernfalls besteht Lebensgefahr, weshalb die GUW zumeist eingezäunt sind.

Der Weg vom Kraftwerk zum Stromabnehmer der Bahn

Zuerst kommt der Strom vom Energieversorger bei unseren GUW an. Aus den 10 Kilovolt Wechselspannung werden in einem großen Transformator 600 Volt Gleichspannung gemacht, er wird also gleichgerichtet. Im Anschluss wird der Strom dann in die Oberleitung der Straßenbahn geleitet. Diese ist in mehrere kleinere Abschnitte unterteilt. Für jeden dieser Abschnitte gibt es einen großen, orangefarbenen Schrank, in dem sich unter anderem ein Schalter und Sicherungen befinden. Die Steuerung ist automatisiert, so wird bei einem Kurzschluss, etwa, wenn ein Ast die Fahrleitung herunterreißt, der Strom direkt ausgeschaltet. Diese Streckenschnellschalter dienen also auch der Sicherheit.

In der Betriebs- Leitstelle gibt es einen besonderen Arbeitsplatz, an dem alle Gleichrichterunterwerke zu sehen sind. Von hier aus kann die Stromversorgung im gesamten Streckennetz überwacht werden. Gibt es irgendwo ein Problem, laufen diese Informationen hier zusammen. Zudem sind auch die GUW überwacht. Steht zum Beispiel irgendwo eine Tür offen, läuft diese Meldung ebenfalls hier auf. In einem solchen Fall fahren Kolleg:innen der Aufsicht dorthin und sehen nach dem Rechten.

Weitere neue Unterwerke in den kommenden Jahren

Während an der Ebendorfer Chaussee und in der Liebermannstraße derzeit neue GUW gebaut werden, kommen in den nächsten zwei Jahren weitere Anlagen hinzu. So gibt es an der Geißlerstraße und in der Helle Straße ebenfalls Neubauten. Bereits fertig gestellt ist das Gebäude am Finkestieg - hier ist auch die neue Flexity Straßenbahn zu sehen. Diese Unterwerke sind mit Unterstützung aus dem ÖPNV-Investitionsprogramm des Landes Sachsen-Anhalt errichtet worden, beziehungsweise werden noch mit dessen Unterstützung realisiert.

Auch auf dem Betriebshof Nord entsteht ein neues Gleichrichterunterwerk. Im Zuge des des Betriebshofneubaus wird auch hier eine moderne Stromversorgung installiert, die zudem Hochwassergeschützt ist. Auch die Umsetzung dieses Projektes geschieht mit Hilfe unserer Förderpartner, Bundesmittel aus dem Sondervermögen "Aufbauhilfe", sowie Mittel des Landes Sachsen-Anhalt und der Landeshauptstadt Magdeburg.

Insgesamt sind in den vergangenen Jahren 26 von 28 Unterwerken erneuert worden. Dabei wird auch immer Technik verbaut, die mit höhren Spannungen zurecht kommt. Der Hintergund dazu ist, dass in den kommenden Jahren ein Wechsel von 600 auf 750 Volt Fahrspannung ansteht. Durch die höhere Spannung kann die Stromstärke (Ampere) reduziert werden, wodurch sich bei gleicher Leistung der Bahnen eine bessere Effizienz ergibt. Diese können nämlich bereits ab Werk verschiedene Spannungen "verarbeiten".

Dieses Projekt wird gefördert vom Land Sachsen-Anhalt:

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