Aufgrund einer Störung… Warum kommt keine Bahn???

Jedem von uns ist diese Situation schon einmal begegnet: Man hat einen wichtigen Termin und wartet auf den Bus oder die Bahn an der Haltestelle, aber zur geplanten Abfahrtszeit ist weit und breit kein Wagen in Sicht. Warum ist das so? Ärgert die MVB die Fahrgäste mit Absicht? Mit Sicherheit nicht. Meistens liegt eine Störung vor, sodass der Fahrtweg im Linienverlauf versperrt ist und unsere Fahrzeuge nicht weiterfahren können und somit nicht an der Haltestelle ankommen. Die Ursachen dafür sind sehr vielfältig, wenngleich es natürlich ein paar Gründe gibt, die über das Jahr häufiger auftreten.

Um mir einen möglichst objektiven Eindruck über das Thema zu verschaffen, habe ich meinen Kollegen Christian Schulz um Daten aus dem Jahr 2020 gebeten. Er ist Mitarbeiter im Bereich Strategische Verkehrsplanung und führt über alle Störungen eine Statistik. Die so gewonnenen Informationen werden dann bei der internen Verkehrsplanung verwendet, etwa um neue Fahrpläne auf besonders häufig verspäteten Linien zu entwickeln.
Nach einer Auswertung dieser umfangreichen Daten lassen sich die Ereignisse in drei große Kategorien eingruppieren, nämlich „Störungen durch Dritte“, „Unfälle mit Fremdschuld“ und „Randale“.
Die erste Kategorie umfasst die mit Abstand größte Anzahl an Störungen, weshalb ich sie exemplarisch für dieses Thema ausgesucht habe und hier kurz vorstellen möchte.

Die Top 4 der Störungen

1. Platz: Sonstige Störungen

Mit insgesamt 155 Vorkomnissen im Jahr 2020 ungeschlagen auf dem ersten Platz befindet sich dieser trockene Sammelbegriff.
Da ich mir nicht so genau vorstellen konnte, was das genau für Störungen sind, habe ich kurzerhand dort nachgefragt, wo alles zusammenläuft: in der Leitstelle. Mein Kollge Herr Lemke war so freundlich und hat mir eine Übersicht aus dem Tagebuch des vergangenen Jahres gegeben: Dort tauchen Schlagworte wie „Gullydeckel im Gleis“, „Bewusstlose Person im Fahrzeug“, „Fahrgast beim Aussteigen gestürzt“ und „Warten auf Polizei“ auf. Ein etwas ungewöhnlicher Eintrag sticht hervor: „Fäkalien im Fahrgastraum“ heißt es da. In diesem Fall wird natürlich umgehend eine Renigung des Wagens fällig. Kann dies nicht vor Ort erfolgen, muss der Wagen ohne Fahrgäste in den Betriebshof einrücken und wird dort wieder frisch gemacht. Bei solchen Vorkommnissen frage ich mich immer, was Menschen dazu bewegt, so etwas zu tun…

2. Platz: Rettungseinsatz

Hier ist eigentlich ziemlich eindeutig, warum die Bahn oder der Bus nicht weiterfahren kann. Doch, warum können die Mitarbeitenden des Rettungsdienstes die zu betreuende Person nicht einfach aus dem Fahrzeug tragen und draußen weiterbehandeln? Diese und weitere Fragen hat mir Erik Fischer beantwortet. Er ist Notfallsanitäter und Leiter des Katastrophenschutzes beim Malteser Hilfsdienst in Magdeburg.

    • Herr Fischer, warum bleiben denn die Bahnen und Busse stehen wenn sich beispielsweise eine Person darin verletzt hat?

„Zum einen natürlich, weil die Mitarbeitenden der MVB ja in der Regel auch Ersthelfende sind. Somit entfällt zunächst die Person, die das Fahrzeug fährt. Dann kommt hinzu, dass wir mit dem Rettungswagen der Bahn nicht einfach hinterherfahren. In dem Fall muss diese auf den Rettungswagen warten.“

 

    • Das heißt also, die medizinische Betreuung geht vor?

„Absolut, ja. Wir haben natürlich auch die Betriebsabläufe der MVB im Hinterkopf und wägen genau ab, ob eine Versorgung zwingend am Ort des Geschehens notwendig ist. Nach einer Notbremsung der Bahn gibt es beispielsweise Menschen mit Kopfverletzungen, die erst einmal vor Ort versorgt werden müssen, bis wir sie in den Rettungswagen bringen können. Generell versuchen wir als Sanitäter die Patienten natürlich immer zeitnah in den Rettungswagen zu bringen.“

    • Welche Gründe gibt es dafür noch?

„Ein weiterer Grund ist, Ruhe bei der Versorgung zu haben. Manche Menschen sind sehr schaulustig und kommen dann dicht an die Einsatzstelle heran, um zu „gaffen“. Das ist nicht nur für unsere Arbeit störend, sondern auch ein Eingriff in die Privatsphäre der verletzten Person.
Auf dem Fahrzeug haben wir andererseits auch mehr Möglichkeiten zur medizinischen Versorgung, das ist noch ein weiterer Grund.“

Und warum steht der Rettungswagen nun genau auf dem Gleis, dem Gehweg oder der Straße? Kann der nicht woanders stehen? Wie Erik Fischer schon sagte, geht die medizinische Versorgung vor. Wenn man selbst den Rettungsdienst ruft, wäre man sicher auch froh, zunächst versorgt zu werden, bevor der RTW „ordentlich“ geparkt wird. 😉

3. Platz: Unfall auf dem Fahrtweg

Ein klassisches Beispiel dafür ist der Unfall zwischen zwei Fahrzeugen auf den Gleisen der Straßenbahn. Meist ist kein großer Schaden an den beteiligten Fahrzeugen entstanden, trotzdem wird in der Regel auf das Eintreffen der Polizei gewartet. So verzögert sich die Weiterfahrt leider manchmal unnötig.


Aber auch die inzwischen stadtbekannte Störungsmeldung „PKW im Gleis am Bahnhof Buckau“ zählt dazu. Hier muss jedes Mal auch ein Bergungsdienst verständigt werden, welcher dann das Fahrzeug von dem Ort entfernt, an den es die Autofahrenden gesteuert haben. Ganz ungefährlich ist das nicht, schließlich muss unter einer Oberleitung mit bis zu 600 Volt Spannung gearbeitet werden. Da ist Ruhe und Fingerspitzengfühl gefragt und so dauert es lange, bis die Strecke wieder frei ist.

4. Platz: Falsch abgestellte Fahrzeuge

Diese Form der Störung ist die mit Abstand rücksichtsloseste und wohl ärgerlichste. Mitmenschen stellen ihre Fahrzeuge so ab, dass eine Vorbeifahrt mit einem Bus oder einer Straßenbahn nicht mehr möglich ist. Oft tritt diese Einschränkung auf den Buslinien der MVB auf, etwa in Stadtfeld, wo vor allem in den Abendstunden die Straßenkreuzungen und Kurven mit Fahrzeugen zugestellt werden.

Darüber hinaus ist somit in der Regel auch die Zufahrt für Feuerwehr und Rettungsdienst erschwert oder sogar unmöglich, denn wo ein Bus nicht durchpasst, da kommt ein Drehleiterwagen meist auch nicht mehr durch.

Aber auch die Tram ist durch falsch abgestellte Fahrzeuge hin und wieder eingeschränkt. Exemplarisch ist hier die Genthiner Straße in Cracau genannt. Dort ist durch die Sadt Magdeburg bereits eine Fahrbahnmarkierung aufgebracht worden. Diese dient als Orientierungshilfe für Autofahrende, was auch in der Mehrheit der Fälle funktioniert. Gerade im Bereich der dortigen Bankfiliale passiert es allerdings, dass Menschen die Markierung nicht beachten und ihr Auto so zu dicht am Gleis abstellen. Dann ruht der Verkehr nach Cracau nur aufgrund eines Rückspiegels, der ins Gleis ragt. Auch für mich als Fahrer ärgerlich, denn so kurz vor der Endstelle muss man meist mal zum WC. Das muss dann eben warten, bis die Gleise frei sind.

 

In all diesen Fällen können wir als MVB leider nichts für den Ausfall oder die Verspätung der Fahrt. Die Mitarbeitenden der Leitstelle versuchen aber mit allen Kräften, die Strecke so schnell wie möglich wieder frei zu bekommen oder einen Ersatzverkehr einzurichten, damit unsere Fahrgäste an ihr Ziel gelangen. Das hat Florian in einem anderen Blogartikel bereits einmal erklärt.   Ein Tipp: Wenn ihr bemerkt, dass eure Bahn oder euer Bus nicht kommt, dann schaut am besten beim Störungsmelder der MVB nach, ob eine Störung vorliegt. Entweder über die Website der MVB, auf Facebook oder bei Twitter. Wenn ihr den Störungsmelder mit eurer Twitter-App folgt, könnt ihr sogar Push-Benachrichtungen auf euer Handy erhalten und werdet so sofort informiert.

Als Fahrer habe ich schon das ein oder andere Mal nach einem Unfall gehört: „Und wie komme ich jetzt zur Arbeit? Zahlt mir die MVB das Taxi?“ Nein, in diesem Fall leider nicht, so sehr ich unsere Kundinnen und Kunden in dem Moment verstehen kann. Wir sitzen ja alle im selben Boot. Pardon, in der selben Bahn.

Bis zum nächsten Mal!

Euer Johannes

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