Saubere Sache! Die Fahrzeugreinigung

Das Wetter ist grau und trüb, die Straßen sind nass. Alles, was sich dort bewegt, wird mit dem für den Winter typischen braunen Schlammfilm überzogen. So natürlich auch unsere Straßenbahnen und Busse, die schließlich von früh bis spät fleißig ihre Runden drehen.
Doch so richtig einladend sieht eine schmutzige Straßenbahn jetzt nicht gerade aus. Darüber hinaus würde die teils zentimeterdicke Ansammlung von Schmutz am Unterboden der Tram die Arbeit der Kollegen in der Werkstatt ziemlich beeinträchtigen. Ganz zu schweigen von der Sichtprüfung aller Komponenten bei jeder kleinen Durchsicht.
Deshalb gibt es, wie für Autos auch, zwei Waschanlagen in Magdeburg, je eine auf jedem Betriebshof. Nur sind diese Waschstraßen natürlich etwas anders, als für PKW. Und die Anlage im Straßenbahnbetriebshof Südost habe ich mir mal genauer angesehen. Werkstattmeister Jens Kästner hat sie mir genau erklärt und gezeigt, was für einen Waschgang alles notwendig ist.

„Zu Beginn werden die Wischerblätter der Scheibenwischer abmontiert. Die können sonst in den Bürsten hängen bleiben“, erklärt Jens Kästner.
Erst wenn das erledigt ist fährt ein Mitarbeiter die Bahn langsam durch das Tor auf Gleis 2. Gleich dahinter befindet sich eine Einrichtung für die Vorwäsche. Das sind viele kleine Düsen, aus denen Wasser auf den Wagen gesprüht wird. So wird der Schmutz schon einmal eingeweicht. Dieser Vorgang dürfte vielen von uns von der Waschstraße für das eigene Auto bekannt sein.
Hinter dem Vorwaschbogen erstreckt sich die Waschhalle, an dessen Ende das bewegliche Waschportal steht, in welchem sich die Bürsten befinden.
Bis dorthin wird die Tram herangefahren. Dann wird sie so weit ausgeschaltet, dass der Stromabnehmer gesenkt werden kann. Diesen Vorgang nennt man auch „Abrüsten“.

Das ist sehr wichtig, denn für die Wäsche muss der Fahrstrom abgeschaltet werden und der Stromabnehmer gesenkt sein. Warum das wichtig ist, könnt ihr euch sicher schon denken: Richtig, es könnte sonst zu einem Stromschlag kommen.

Deshalb verfügt die Anlage auch über eine Sicherung, die verhindert, dass ein Waschgang gestartet wird, solange noch Spannung auf der Oberleitung ist.
Ist nun alles vorbereitet, kann es losgehen! Aus mehreren wählbaren Waschprogrammen wird eines ausgewählt. Sogleich laufen die Wasserpumpen an, die Bürsten beginnen sich zu drehen und das Waschportal setzt sich langsam in Bewegung. Übrigens: Unterbodenwäsche ist auch möglich. Wie beim Auto auch, wird dies jedoch nicht jedes Mal aktiviert, sondern nur vor Wartungsarbeiten, also etwa ein Mal im Monat.
Zeitglich geht Herr Kästner zu einem großen Eimer, in dem ein Schrubber steckt und etwas Waschwasser ist. „Die Blenden der Drehgestelle und schwer zugängliche Stellen müssen per Hand gewaschen werden. Da kommt die Anlage nicht hin“, erklärt er mir, während er mit zielgerichteten Bewegungen ein Drehgestell nach dem anderen reinigt.

Währenddessen fährt das Waschportal langsam den Zug entlang. Am Ende des Zuges angekommen, kehrt es um und wiederholt den Durchgang nochmals. Dabei werden nur die Frontseite, Seiten und die Rückseite gewaschen. Das Dach wird „ausgespart“, denn dort befindet sich sehr viel graphithaltiger Abrieb von den Schleifleisten des Stromabnehmers. Dieser Abrieb würde in kürzester Zeit die Bürsten und somit auch den Rest des Wagenkastens schwarz färben.
Nach dem Bürsten-Waschprogramm folgt ein Spülgang. Dabei wird mit klarem Wasser, welches einen Trocknerzusatz enthält, der Schaum abgespült.
„Woher kommt das Wasser für die Wäsche?“, frage ich. „Das ist Brauchwasser, also Wasser, welches nach der Wäsche aufgefangen und wieder aufbereitet wird. Das Verlustwasser wird durch Regenwasser aufgefüllt“, erläutert mir der Werkstattleiter. Verlustwasser, so bezeichnet man alles, was nach der Wäsche auf dem Fahrzeug, in den Wasserabläufen und auf dem Dach bleibt. Es fließt nicht zurück in die Waschanlage, sondern tropft draußen ab. Dieser Verlust beträgt etwa 20 % bei jedem Waschgang und wird mit dem auf der großen Dachfläche gesammelten Regenwasser kompensiert.

Der unterirdische Sammelbehälter dafür kann 56 Kubikmeter bereithalten, das entspricht etwa 56 000 Liter (mehr, als ein ganzer Tanklastwagen fassen kann!).

Pro Fahrzeug sind das etwa 360 Liter Verlustwasser. Somit reichen die Vorräte eine ganze Weile. „Selbt in sehr trockenen Jahren ist der Sammelbehälter nie leer gewesen“, sagt Jens Kästner. „Falls das mal passieren würde, könnte man die Anlage auch mit Trinkwasser betreiben. Das wäre aber sehr unwirtschaftlich“, ergänzt er.
Das Brauchwasser zirkuliert also in der Waschanlage. Als Schmutzwasser gelangt es durch die Abläufe der Waschhalle in eine erste Reinigungsstufe, den Schlammfang. Hier wird der Sand und Staub zurück gehalten. Anschließend durchläuft es einen sogenannten Koaleszenzabscheider. Hinter diesem sprerrigen Begriff verbirgt sich eine Einrichtung zur Entfernung von ölhaltigen Substanzen, wie z. B. Getriebeöl, Hydraulikflüssigkeit und Schmierfett. Abschließend durchläuft es nun noch eine Ozonanlage, die Fäulnisbakterien beseitigt. So behandelt, wird das Brauchwasser in einen Tank unter der Waschhalle gepumpt. Daraus speist sich schließlich wieder das Waschportal und der Kreis schließt sich.

Die Buswäsche

Das gilt natürlich auch für die Busse. Auf dem Betriebshof Kroatenweg, im schönen Sudenburg, haben sie ihre eigene Waschanlage. Hier bin ich mit Daniel Strauchmann verabredet. Er ist Teamleiter im Bereich Betriebshofsteuerung und koordiniert die Innenreinigung der Bahnen und Busse, sowie die Waschanlage auf dem Busbetriebshof.
„Die Anlage hier unterscheidet sich technisch nicht von der in Straßenbahnbetriebshöfen. Hier in Sudenburg gibt es natürlich keine Oberleitung oder Schienen“, erzählt er mir, während wir durch die große Halle laufen. In einer Ecke stehen viele große Kunststofftanks. Darin plätschert es leicht. „Das Regenwasser vom Dach wird auch hier zum Waschen verwendet. Die Hauptwäsche wird ebenfalls mit wiederaufbereitetem Wasser durchgeführt, das kennst Du ja bereits.“
Im vergangenen Jahr wurde eine neue Anlage eingebaut, die noch effizienter arbeitet. So kann für die einfache Unterhaltsreinigung meist auf die Waschbürsten verzichtet werden, denn der Wasserdruck ist hoch genug, um frischen Schmutz einfach herunter zu spülen.
Die so eingesparte Zeit kommt dem Durchsatz zu Gute, denn:

„In einer Schicht könnte man jetzt fast den ganzen Fuhrpark einmal waschen!“

scherzt Daniel Strauchmann. Von Außen werden die Busse übrigens etwas häufiger gewaschen, als die Straßenbahnen. Der Grund liegt auf der Hand: So ein Bus fährt eben ausschließlich auf der Straße, wohingegen die Tram immer mal wieder auf ihrem eigenen Gleis, fernab der Straße, unterwegs ist. Zudem wirbeln die Reifen eines Busses mehr Wasser und Staub auf, als es die schmalen Stahlräder der Bahn tun.

Ist der Wagen von außen gereinigt, geht es an den Fahrgastraum. Dafür gibt es eine extra Halle, beheizt und gut beleuchtet mit Platz für vier Fahrzeuge. Dort wird, ausschließlich nachts, jeder Bus gereinigt. Fegen, Wischen, Müll wegräumen und bei Bedarf auch Fenster putzen. Die Arbeiten folgen einem genauen Plan, der den aktuellen Bedingungen angepasst werden kann und daher immer etwas variiert. „Bei Matschwetter wird natürlich nicht jeden Tag gewischt. Diese Arbeit machen die Kollegen dann erst bei trockener Witterung. Stattdessen werden zum Beispiel häufiger die Frontscheiben der Busse geputzt, damit sie von innen nicht beschlagen“, beschreibt Daniel Strauchmann die Abläufe.
Grundsätzlich sind die Busse optisch sauberer, als die Bahnen. Speisereste oder Getränkeflecken gibt es kaum, ebenso wie Schmierereien.

„Das wurde auch noch mal besser, nachdem der Einstieg an der ersten Tür eingeführt wurde. Ich denke, der Bus ist weniger anonym, als die Tram. Da traut man sich nicht einfach so, mit einem Döner in der Hand, einzusteigen“

berichtet er weiter.
Dieser Umstand ist mir auch schon aufgefallen. In der Tram kann man „mal schnell“ an der letzten Tür einsteigen und ist dabei weit weg vom Fahrer. Der Einstieg im Bus hingegen ist unter den Augen der Kollegen schon viel persönlicher. Außerdem kommt hinzu, dass die Fahrgastkapazität in der Tram höher ist, wodurch natürlich generell mehr Schmutz in die Fahrzeuge getragen wird.

Unsere Tram hat dahingehend leider größere Sorgen

In der Bimmel wird viel zu oft Döner, Burger, Chips und Co. gegessen, Bier, Cola und Kakao getrunken und sodann die zugehörige Verpackung unter oder auf dem Sitz entsorgt. Obwohl dies natürlich verboten ist.
Die Beseitigung solcher Verunreinigungen kostet Zeit und bedeutet für die Kolleginnen und Kollegen der Renigung zusätzliche Arbeit. Denn auch in der Tram wird nachts geputzt, im Betriebshof Südost in Westerhüsen in einer Halle, im Betriebshof Nord in Rothensee im Freien.
Die Teams leisten eine wichtige Aufgabe: sie sorgen für einen stimmigen Gesamteindruck, wenn sich die Türen der Bahn für uns Fahrgäste öffnen.
So dauert es etwa 45 Minuten, bis ein NGT (ohne Beiwagen) ein mal gefegt und gewischt wurde. Bei etwa 55 Zügen pro Schicht entsteht somit ein ziemliches Pensum an Arbeit, das von den Mitarbeitern im Verborgenen jede Nacht absolviert wird.

Damit diese Arbeit in Zukunft leichter wird, achtet man bei der Beschaffung der neuen Bahnen darauf, möglichst wenig auf dem Fußboden zu montieren. Sitzstreben erzeugen bspw. viele kleine Ecken, die nur mühsam gereinigt werden können. Natürlich wird sich auch die Gesamtsituation etwas bessern, wenn der neue Betriebshof in Rothensee in Betrieb genommen wird. Dann wird es auch dort eine Abstellhalle geben, die eine witterungsgeschützte Reinigung der Fahrzeuge ermöglicht.
Selbstverständlich kann die Renigung auch heute schon verbessert werden – in dem wir Fahrgäste auf Sauberkeit achten. Natürlich sieht nicht jeder Wagen wie ein Neufahrzeug aus, dennoch sollte man sich nicht dazu verleiten lassen, den leeren Kaffeebecher einfach unter den Sitz zu stellen. Schließlich gibt es an jeder Haltestelle mindestens einen Mülleimer ;-).

Auf bald!

Euer Johannes.

Zahlen und Fakten
So lange dauert ein Waschgang: 15 Minuten Tram; 5 Minuten Bus
So viel Wasser wird dabei pro Bahn verwendet: etwa 1,8 Kubikmeter (1800 Liter)
Davon wiederverwendet werden: rund 1440 Liter
Daher kommt das Wasser: „Vom Dach“. Das Regenwasser wird unterirdisch gesammelt.
Deshalb wird gewaschen: Um die Wagen vor Korrosion zu schützen und der Werkstatt die Arbeit zu ermöglichen.
So lange dauert „einmal Fußboden wischen“ im NGT: 45 Minuten je Fahrzeug

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