Was ist eine Havarie?

Hin und wieder passiert es: Ein unerwarteter Schaden an den Gleisanlagen der MVB tritt auf und umgehend rücken die Bagger vom Gleisbau an.
Doch, was ist denn da eigentlich genau los?

Steffen Großheim, Meister in der Abteilung Gleisbau, erklärt dazu: „Bei einer Havariebaustelle sprechen wir immer von einem unerwarteten Ereignis. Die Gleise, die auf der Straße verlegt sind, müssen viel aushalten: neben der Belastung durch die Straßenbahnen kommen die Fahrzeuge des Individualverkehr und die stark wechselnden Temperaturen hinzu. So ist vor allem die Dichtung zwischen den Schienen und den Betonplatten stark von den Reifen der PKW und LKW beansprucht. Ist diese kaputt, dringt Regenwasser ein, was zu Schäden am Gleis führen kann, welche zuvor nicht sichtbar waren. Zusätzlich leiten die Metallschienen den Fahrstrom der Tram, was zu Korrosion beiträgt und zum Beispiel zu Schienenbrüchen führen kann.“

In einem solchen Fall rücken die Kollegen vom Gleisbau an und inspizieren den Schaden. In den meisten Fällen sind kleine Baumaßnahmen ausreichend, um einen sicheren Betrieb gewährleisten zu können, doch hin und wieder muss das „große Besteck“ ran. Erweist sich ein Schaden größer, als zunächst angenommen, wird unter Umständen der Tausch von mehreren Metern Schiene notwendig. Die Baustelle muss also zunächst abgesichert werden. Dafür sind einerseits die Fachleute der MVB vor Ort, andererseits auch Mitarbeitende der Straßenverkehrsbehörde der Stadt. Gemeinsam wird dann die passende Maßnahme abgestimmt.

Natürlich wird immer auf die Verhältnismäßigkeit geachtet, schließlich wollen wir ja auch, dass alles rund läuft.

Von außen oft nicht sichtbar: Der eigentliche Umfang des Schadens. Was aus der Entfernung wie ein einfacher Schienenbruch aussieht, kann im Detail betrachtet eine Folge von angestautem Regenwasser unter den Gleisen sein. In einem solchen Fall muss also nicht nur die kaputte Schiene des Gleises getauscht werden, sondern auch gleich noch der Schotter darunter gestopft und das Gleis anschließend neu ausgerichtet werden.
Solche Arbeiten lassen sich in der Regel nur dann erledigen, wenn der Tram-Verkehr auf der betreffenden Strecke ruht. So sind mitunter am Tage kaum Arbeiten zu beobachten, während nachts wortwörtlich die Funken fliegen.
Im besten Fall kann ein Havarieschaden schon am Tag des Auftretens behoben werden, vereinzelt kann es auch länger dauern, bis wieder alles beim Alten ist.

Übrigens: Insgesamt kommt es nur sehr selten zu solchen Havarie-Baustellen, denn das gesamte Streckennetz der MVB wird jährlich genau unter die Lupe genommen. Alle großen und kleinen Beschädigungen werden in einem Katalog vermerkert und nach ihrer Wichtigkeit bearbeitet, bevor eine große Sache daraus wird.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.