Woher weiß die Anzeige, wann meine Bahn kommt?

Jeder kennt sie: die großen Anzeigetafeln an vielen Haltestellen, auf denen die Abfahrtszeiten der Busse und Bahnen angezeigt werden.

Doch, habt ihr euch auch schon mal gefragt, woher die Informationen kommen, die dort zu sehen sind? Diese Frage hat auch mich beschäftigt. Meine kleine Recherche führte mich nach Sudenburg, in die IT-Abteilung der Verkehrsbetriebe.
Hier arbeitet Robert Tecklenburg, Bereichsleiter Kernsysteme, der mir alle Fragen zum Thema „digitale Fahrgastinformation“ (kurz: DFI) beantworten kann. Gleich neben dem Depot der historischen Straßenbahnen hat er seinen Arbeitsplatz, an dem er mich auf eine kleine, virtuelle Reise in die Welt der Daten, genauer gesagt der Fahrplandaten, mitnimmt.

Am Anfang steht der Fahrplan.
Damit ist nicht das DIN-A4-Blatt an der Haltestelle gemeint (das heißt übrigens im Beamtendeutsch Abfahrtszeitentabelle), sondern die Grundlage für die Leistungen der MVB. In diesem Fahrplan sind alle Daten zu Linien, Streckenführungen, Entfernungen sowie Zeiten hinterlegt und er ist so etwas wie der „heilige Gral“ unserer Verkehrsplanung. Im Gegensatz zu diesem sind unsere Fahrplandaten jedoch ziemlich leicht zu finden. Sie liegen, gut geschützt, auf einem Server. Das macht sie dann leicht für andere IT-Systeme des Unternehmens zugänglich, zum Beispiel für die Verkehrstechnologie. Die Kollegen dort können dann beispielsweise die im Jahr gefahrenen Kilometer aller Fahrzeuge ermitteln. Das waren im Jahr 2018 übrigens ganze 9,5 Mio. Kilometer, also 237 Mal um die Erde!

Ein weiteres informatisches System ist unser Betriebsleitsystem ITCS, das Intermodal Transport Control System. Es stellt den zweiten Schritt auf dem Weg in die Anzeigetafel dar. Im ITCS laufen einerseits die Informationen der Fahrplandaten auf, andererseits auch die Fahrzeiten unserer Bahnen und Busse, die diese selbst an das System übermitteln. Mittels GPS-Ortung erfolgt der Abgleich der Standorte. Somit hat das ITCS immer ein Auge darauf, ob ein Wagen in der Planzeit liegt, oder eben nicht.

Diese Zeitdifferenz wird mir als Fahrer übrigens auch immer auf dem Bildschirm meines Bordrechners angezeigt, womit ich als Fahrer genau weiß, ob ich jetzt 5 Minuten zu spät oder zu früh bin (letzteres ist mir noch nie passiert, Ehrenwort!)

Da nun die Fahrzeuge immer fleißig melden, wo sie sich gerade befinden und das Betriebsleitsystem den Vergleich zur eigentlichen Abfahrtszeit vornimmt, ist es ziemlich leicht vorherzusagen, wann eine Bahn oder ein Bus an einer beliebigen Haltestelle ankommen wird. Und genau das macht nun der dritte im Bunde, das DFI-System, Dynamisches Fahrgastinformationssystem, welches sich ausschließlich um unsere Anzeigetafeln kümmert. Die vom ITCS errechnete Ankunftszeit wird noch ein wenig vom DFI-System für die Displays angepasst und schließlich über das Mobilfunknetz an die Anzeigetafeln im Stadtgebiet verteilt.

Flussgrafik der Daten
So leicht dieser Weg in der Theorie klingt, so komplex wird es, wenn nun das echte Leben aus unserer Elbestadt mit den Daten zusammenkommt.

Was uns Fahrgästen sicher schon oft aufgefallen ist: Manchmal steht nur eine Uhrzeit hinter der Linie und keine Minutenangabe, also beispielsweise „9 Reform; 7:21“ anstelle „9 Reform; 2 Minuten“. In diesem Fall kennt die Anzeigetafel keine Vorhersage zur Abfahrt und zeigt stattdessen die geplante Zeit an. In diesem Fall lohnt sich oft ein Anruf bei der kostenlosen MVB-Servicehotline 0800 548 1245.

Auch kommt es hin und wieder vor, dass an der Anzeige nur der Text „Bitte beachten Sie den Aushangfahrplan und die Beschilderung der Fahrzeuge!“ steht. Wenn einem dieser Hinweis angezeigt wird, ist die Tafel leider außer Betrieb, weil etwa kurzzeitig keine Mobilfunkverbindung besteht. Das ist natürlich nicht von Dauer, denn schon nach kurzer Zeit kümmert sich ein Techniker darum, dass alles wieder läuft.

Die ärgerlichste Ursache dafür, dass keine Abfahrten angezeigt werden, ist leider mechanischen Ursprungs: Vandalismus. Vor allem in den Morgenstunden entdecke ich als Fahrer oft neue Schäden, etwa zerschlagenes Glas oder Aufkleber, die den Anzeigetext verdecken. In so einem Schadenfall wird der „Inhalt“ des Gerätes dann oft ausgebaut, um eine weitere Beschädigung, etwa durch Regenwasser oder Frost, zu verhindern. Defekte DFI-Masten könnt ihr natürlich auch an der Servicehotline oder im Internet bei uns melden.

Neben diesen Störungen an den Bildschirmen selbst, gibt es auch betriebliche Ursachen.

Stellt euch vor, dass eine Bahn an der Haltestelle hält und diese gar nicht am DFI-Mast angezeigt wird. Das passiert immer dann, wenn Fahrzeuge über andere Strecken umgeleitet werden, weil die eigentliche Route nicht benutzbar ist. Meist geschieht das nach einem Unfall, bei dem beispielsweise die beteiligten Autos auf den Gleisen der Tram stehen und diese blockieren.

Doch, warum werden die Umleitungen denn dann nicht angezeigt? Das hat einen ganz einfachen Grund: Die Masten „kennen“ diese Bahnen nicht, da sie in den Fahrplandaten (ihr erinnert euch, der „heilige Gral“) nicht hinterlegt sind. Deshalb wird auch der Fahrschulwagen, der Schienenschleifwagen und eben diese umgeleiteten Fahrzeuge nicht angezeigt.
Und warum trägt man das da nicht schnell mal ein? Nun, das ist nicht so einfach und wird deshalb nur bei langfristigen Umleitungen gemacht. Zuletzt bei der Sperrung der Strecke über den Damaschkeplatz, bei der sich etwa die Haltestelle Südring, zusätzlich zur Linie 10, auch noch die Linien 1, 4 und 6 merken musste. Für kurzweilige Umleitungen wäre es also schlicht zu langwierig, im Grundfahrplan Änderungen vorzunehmen.

Die Kollegen aus der MVB-Leiststelle, die u. a. den Verkehr überwachen und den operativen Betrieb steuern und demzufolge bei Unfällen eingreifen, können jedoch manuell Störungstexte an die Anzeigetafeln senden. So werden die Fahrgäste im Störungsfall über Streckensperrungen und Umleitungen zumindest über den Lauftext auf der Anzeige informiert.

Trotzdem ist es im Sinne des Ausbaus der Barrierefreiheit notwendig, im Umleitungsfall auch schnell auf Linienveränderungen zu reagieren, damit diese an der Anzeige als nächste Abfahrt erscheinen. Aus diesem Grund wird es demnächst ein neues Modul im ITC-System geben. Damit wird es den Kollegen in der Leitstelle ermöglicht, im Störungsfall eine entsprechende Info im ITC-System zu hinterlegen. Diese Zusatzinformation wird dann, zusammen mit den Live-Standortdaten der Fahrzeuge, an das DFI-System übermittelt. Dann sollen, neben den korrekten Abfahrten auf der Umleitungsstrecke, auch an den nicht mehr bedienten Haltestellen entsprechende Hinweise für die Reisenden zu sehen sein.

Resümierend stelle ich also fest: die leuchtend-orangefarbenen Zeilen auf den Anzeigetafeln sehen vielleicht simpel aus. Sie sind jedoch das Ergebnis eines Zusammenwirkens vieler Systeme und Einflussfaktoren, das war mir vorher gar nicht bewusst. In der Zukunft werden weitere Haltestellen mit den dynamischen Anzeigen ausgestattet und das System wird weiter optimiert werden. Über 120 solcher Anzeigen sind bereits an den Haltestellen zu finden.
Übrigens: ein weiterer Schritt wird die Einbindung anderer Verkehrsunternehmen sein, die im marego-Verbund fahren, wie etwa die Überlandbuslinien oder der Schienen-Regionalverkehr. Ein erster Test mit einer solchen Einspeisung externer Daten kann man an der Haltestelle „S-Bahnhof Neustadt“ sehen. Hier werden auch die Züge von DB-Regio und Abellio angezeigt. Die fahren natürlich im Bahnhof ab, nicht an der Tramhaltestelle. 😉

Bis ganz bald!
Johannes

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