Seit dem Glyphosat-Ende sprießen die Pflanzen vielerorts im Gleisbett. Was natürlich aussieht, ist auf Dauer ein Problem für die Infrastruktur. Umso wichtiger ist die Beseitigung ungewünschten Bewuchses. Die MVVR hat nun ein Spezialgerät zur Unkrautbekämpfung mittels Heißwasser beschafft.
Frühlingszeit ist Wachstumszeit bei Büschen und Bäumen und auch die kleinen Pflänzchen sprießen vielerorts aus dem Boden. Zartes Grün an den Ästen zeigt sich ebenso, wie zwischen den Schienen, doch dort sollte es gar nicht gedeihen. Alexander Kreuz ist Bereichsleiter Facility-Management und erklärt: „Grünwuchs im Gleisbett ist ein echtes Problem. Die Wurzeln der Pflanzen nehmen der Schotterbettung ihre Funktion als „Dämpfer“, weil sie die groben Steine festhalten. Dadurch kann sich die Gleislage verändern, das führt langfristig zu höherem Verschleiß an Schienen und Bahnen.“
Deshalb ist es sehr wichtig, das Grün rechtzeitig einzudämmen. „Bisher geschah das sehr effizient über ein Pflanzenschutzmittel, welches das Wachstum gehemmt hat. Nach dem Einsatzende des Herbizides haben wir uns auf dem Markt nach Alternativen umgeschaut. Wichtig war: es dürfen keine Flammen zum Einsatz kommen, denn Holzschwellen und Bitumen-Vergussmasse sind brennbar. Zudem sollte der Personalbedarf gering sein. Am Ende ist es nun ein Heißwasser-basiertes System geworden“, erzählt Alexander Kreuz weiter.Pflanzen werden gekocht
Der Trick besteht hier im Wesentlichen aus der Hitzeeinwirkung. Pflanzen werden verbrüht und gehen daraufhin ein. Tiefes Wurzelwachstum kann somit schon früh verhindert werden. Um den Wirkungsgrad zu steigern, erhält das 97°C heiße Wasser einen Stärke-Zusatz, welcher einen Schaum erzeugt. „Das ist aber wirklich nur, um die Temperatur länger zu halten. Der Schaum selbst besteht aus Kartoffel- und Maisstärke und ist harmlos. Man könnte den theoretisch essen“, lacht Alexander Kreuz.
Dass das funktioniert, zeigt sich in anderen Nahverkehrsbetrieben. Deutschlandweit ist Heißwasser in vielen Städten im Einsatz und liefert dort gute Ergebnisse. Je nach Rahmenbedingungen muss das Gleis während der Wachstumsperiode bis zu vier Mal behandelt werden. Im Vergleich zu einer Wildkrautbekämpfung per Hand ist das jedoch kein Problem. Herr Kreuz: „Übergangsweise haben wir das Unkraut auch mal händisch entfernen lassen. Das war eine körperlich sehr beanspruchende Aufgabe. Stundenlang gebücktes oder knieendes Arbeiten, immer wieder aufstehen, weil Straßenbahnen kommen. Am Ende haben die Teams trotz dieser Anstrengungen nur wenig Strecke gemacht. Der Heißwassertrailer schafft das mühelos und entlastet dabei auch die Mitarbeiter.“
Appetit bekommen?
Die Magdeburger „Schaumkanone“ besitzt ein 600 Liter Wasserreservoir, das reicht für rund 800 Meter Strecke. Dann wird über ein Standrohr an Hydranten nachgefüllt. Druckerzeuger, Wassertank und Heißwassererzeuger sind in einem PKW-Anhänger montiert und somit flexibel einsetzbar. Damit werden künftig Magdeburgs Gleise wieder von ungewolltem Bewuchs entfernt.
Lustiger Nebeneffekt: „Durch den Stärkeschaum und die im heißen Wasser gebrühten Pflanzen riecht es häufig ein bisschen wie in der Küche. Da kann man schon mal Appetit bekommen“, fügt Alexander Kreuz zum Abschluss lachend hinzu.








