In den vergangenen Monaten waren unsere Buslinien nicht immer so verlässlich, wie sie es sein sollten. Vor allem morgens kam es immer wieder vor, dass Fahrgäste an der Haltestelle standen – und der erwartete Bus nicht kam. Besonders ärgerlich: Die nächste Fahrt war dann häufig umso voller, weil zusätzlich die Fahrgäste mitfahren wollten, die eigentlich schon einen Bus früher unterwegs sein wollten.
Mittlerweile hat sich die Situation deutlich verbessert. Die allermeisten Busse sind wieder planmäßig unterwegs. Doch was war eigentlich los? Warum fielen über Wochen und Monate immer wieder Fahrten aus, obwohl sie im Fahrplan standen?
Die Antwort darauf ist nicht ganz einfach. Denn es gab nicht den einen Defekt und nicht die eine Ursache. Vielmehr kamen mehrere technische Probleme zusammen, die unsere Busflotte teilweise gleichzeitig betrafen.
Wir haben deshalb in unserer Buswerkstatt im Kroatenweg vorbeigeschaut. Werkstattleiter Nico Pinzer erklärt, was sein Team in den vergangenen Monaten beschäftigt hat – und warum manche Reparatur deutlich aufwendiger ist, als sie zunächst klingt.
Ein Schlauch mit großen Folgen
Angefangen hatte die Misere Anfang des Jahres mit geplatzten Kühlwasserschläuchen. Eigentlich nichts, womit man bei unseren noch vergleichsweise jungen Bussen rechnen würde – viele von ihnen sind gerade einmal rund fünf Jahre alt. Doch nach und nach zeigte sich: Es handelte sich nicht um einzelne Ausreißer. Das Problem betraf einen großen Teil der Flotte.
Die Werkstatt reagierte und begann, die betroffenen Bauteile vorsorglich durch robustere Varianten zu ersetzen.
Was nach einer überschaubaren Reparatur klingt, entwickelte sich allerdings zur Mammutaufgabe. Die Schläuche sind so ungünstig im Fahrzeug verbaut, dass für den Austausch große Teile im Heck des Busses demontiert werden müssen. Im Durchschnitt dauerte es rund vier Arbeitstage, bis ein Fahrzeug repariert, wieder zusammengebaut und einsatzbereit war.
Mehr als 20 Busse mussten auf diese Weise behandelt werden. Und jeder Bus, der mehrere Tage in der Werkstatt stand, fehlte natürlich auf der Straße.

Wenn die Elektronik streikt
Damit nicht genug. Im Laufe des Jahres kamen weitere Fehler hinzu. Insbesondere die Elektronik bereitete dem Werkstattteam Kopfzerbrechen.
„Moderne Busse sind mit zahlreichen technischen Systemen und Assistenzfunktionen ausgestattet. Viele davon sind für einen sicheren Betrieb heute unverzichtbar. Gleichzeitig bedeutet mehr Technik aber auch, dass mehr Komponenten ausfallen können“, erklärt Nico Pinzer.
Probleme bereitete unter anderem die Türsteuerung. Was zunächst nach einer Kleinigkeit klingt, ist für den Betrieb entscheidend: Die Türen eines Busses sind sicherheitsrelevant. Funktionieren sie nicht ordnungsgemäß, darf das Fahrzeug keine Fahrgäste befördern – und bleibt in der Werkstatt.

Ein weiteres Problem betraf gleich acht Busse einer älteren Lieferserie. Hier machten sogenannte Achsmodulatoren Schwierigkeiten. Diese Bauteile sind Teil des Bremssystems und sorgen dafür, dass die Bremskraft korrekt geregelt wird. Auch hier gilt: Sicherheit geht vor. Solange die Ursache nicht behoben ist, bleiben die Fahrzeuge stehen.
Die gute Nachricht: Inzwischen hat das Werkstattteam auch hierfür eine Lösung gefunden. Durch den Einbau zusätzlicher Filter konnten die Probleme behoben werden. Die betroffenen Busse sind wieder im Einsatz – und das macht sich bei der Fahrzeugverfügbarkeit deutlich bemerkbar.
Und dann gibt es noch den ganz normalen Werkstattalltag
Neben solchen größeren technischen Problemen läuft der normale Werkstattbetrieb natürlich weiter. Fast täglich müssen kleinere und größere Unfallschäden repariert werden. Mal ist es ein abgefahrener Außenspiegel, mal ein Blechschaden – und manchmal muss ein Bus nach einem größeren Verkehrsunfall aufwendig instand gesetzt werden.
Für unsere Werkstatt gehört das zum Alltag. Wenn aber ohnehin schon mehrere Fahrzeuge wegen technischer Probleme fehlen, wird auch ein vermeintlich kleiner zusätzlicher Schaden schnell spürbar.

Was wir verändert haben
Während das Werkstattteam mit Hochdruck an den Fahrzeugen gearbeitet hat, haben wir gleichzeitig Abläufe verändert, damit künftig möglichst viele Busse zum Betriebsstart zur Verfügung stehen.
Dafür wurden unter anderem Schichten neu organisiert und eine zusätzliche Nachtschicht eingeführt. Ziel ist es, Reparaturen stärker in die Nachtstunden zu verlagern, damit gerade zum morgendlichen Berufs- und Schülerverkehr möglichst viele Fahrzeuge einsatzbereit sind.
Auch Aufgaben innerhalb der Werkstatt wurden neu verteilt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen sich möglichst auf das konzentrieren können, worauf es ankommt: Busse warten, Fehler finden und defekte Fahrzeuge schnellstmöglich wieder flottmachen.
Ein weiterer Baustein ist die Ersatzteilversorgung. Auch die Lagerlogistik soll neu organisiert werden, damit wichtige Bauteile schneller verfügbar sind und ein Bus nicht unnötig lange auf ein Ersatzteil warten muss.
Neuer Kraftstoff soll Motorprobleme reduzieren
Auch beim Kraftstoff haben wir genauer hingeschaut. Zwei Busse wurden in diesem Jahr testweise mit HVO100 betrieben. Die bisherigen Erfahrungen sind positiv: Bei den beiden Fahrzeugen traten weniger Motorprobleme auf.
Deshalb soll im kommenden Jahr die gesamte Busflotte auf den alternativen Kraftstoff umgestellt werden. Neben anderen Vorteilen erhoffen wir uns davon auch eine höhere technische Verfügbarkeit unserer Fahrzeuge.
Die Situation hat sich verbessert
Ganz verschwunden ist die Arbeit in der Buswerkstatt natürlich nicht – und neue technische Probleme lassen sich auch künftig nie vollständig ausschließen. Doch die großen Fehlerbilder, die uns im Laufe dieses Jahres beschäftigt haben, konnten Nico Pinzer und sein Team inzwischen weitgehend lösen.
Das merken auch unsere Fahrgäste: Seit einigen Wochen stehen morgens wieder deutlich mehr Busse für den Linienverkehr zur Verfügung und Fahrten fallen nur noch selten wegen fehlender Fahrzeuge aus.
Damit das so bleibt, arbeiten Werkstatt, Betrieb und viele weitere Kolleginnen und Kollegen weiter gemeinsam daran, die Busflotte möglichst zuverlässig auf die Straße zu bringen.
Denn am Ende zählt für unsere Fahrgäste vor allem eines: Der Bus, der im Fahrplan steht, soll auch kommen.

