„Typisch MVB, zu spät!“ – Das Leidthema Verspätung

Es ist DAS Thema bei allen öffentlichen Verkehrsmitteln. Jeder, der Bus, Bahn und Co. schon einmal genutzt hat, kennt es: Verspätungen.
Viele Menschen regen sich darüber auf, wenn die Bahn fünf Minuten zu spät ist und so schleicht sich schnell das Image der „unpünktlichen MVB“ ein. Aber, warum kommt die Bahn denn eigentlich zu spät? Und können wir als Fahrgäste (denn auch ich bin oft Fahrgast) dazu beitragen, Verspätungen zu vermeiden? Ich möchte es euch in diesem Beitrag verraten.

Zunächst sehen wir uns an, was eine Verspätung eigentlich ist, nämlich ganz banal:

Eine Abfahrt, die später erfolgt, als es die Abfahrtszeitentabelle (der Fahrplan) vorsieht.

Und hier stecken schon zwei kleine Aussagen drin. Zum einen reden wir hier von Abfahrts-Zeiten, also der Moment, wenn die Bahn oder der Bus die Haltestelle verlässt. Man sollte also am besten schon ein, zwei Minuten eher an der Haltestelle stehen und seine Linie erwarten. Zum anderen reden wir aber immer über geplante Abfahrten. Und das kennen wir ja alle: Man plant, sonntags um drei bei Oma und Opa zum Kaffeetrinken zu sein, und dann kommt man leider doch etwas später. Planung und Leben lassen sich eben nicht so einfach kombinieren.

Damit aber die Mehrheit der Fahrten pünktlich durchgeführt werden können, haben die Mitarbeiter der Verkehrstechnologie der MVB das gesamte Netz vermessen und verschiedene Fahrzeiten hinterlegt. Also konkret: Die Zeit, wie lange das Fahrzeug von einer Haltestelle zur nächsten braucht. Und das ist natürlich auch abhängig von der Tageszeit und dem Wochentag. So gibt es für die gleiche Strecke mitunter vier verschiedene Fahrzeiten. Denn abends ist man in der Stadt oftmals viel schneller unterwegs, als im dicht gedrängten Berufsverkehr.

Nun werfen wir einen Blick ins Betriebliche: Woher die Verspätungen kommen:

Und da gibt es eine Menge Ursachen, aber, um es gleich vorneweg zu nehmen: Wir Fahrerinnen und Fahrer mögen es ebensowenig, wie unsere Kunden, wenn es wieder länger dauert. Daher könnt ihr ganz gewiss sein: Absichtlich kommt von uns niemand zu spät!

Den größten Einfluss auf die Fahrzeiten hat eindeutig der Straßenverkehr, wobei Ampelschaltungen hier die Hauptursache sind.

So kann es leicht passieren, dass ich mit meiner Bahn der Linie 3 in der Leipziger Chaussee pünktlich losfahre und dann an der Haltestelle Südring mit drei Minuten Verspätung abfahre, weil ich als Straßenbahn einfach kein „grün“ bekomme. Diese drei Minuten nehme ich dann die ganze Strecke bis zum Klinikum Olvenstedt mit. Zwar haben wir an vielen Ampeln Bevorrechtigungen vor dem Individualverkehr, aber mitunter funktionieren diese nicht an allen Kreuzungen gleich gut. Und dass wir Bevorrechtigungen haben, ist auch nur fair und logisch: In Bus und Bahn sitzen viel mehr Menschen, als in einem einzelnen PKW. Wenn wir die Kreuzung passieren, können somit mit einem „Schwung“ gleich mal 70 Leute über die Kreuzung fahren. Wenn 70 Personen mit Autos über eine Kreuzung wollen, dauert dies wohl einige Minuten mehr 😉 Denn im Schnitt ist ein PKW gerade mal mit 1,2 Personen besetzt.

Neben Ampeln behindern oft auch unachtsame Autofahrer unser Vorankommen.

Ihr kennt das als Störungsmeldung „Falschparker in Cracau“ oder „Pkw im Gleis“. Natürlich erlebt man häufig auch egoistisches Verhalten, wenn sich Autofahrer im Verkehr rechts an der Bahn vorbeidrängeln, um sich danach vor sie zu stellen. So muss ich mit meiner Tram oft hinter Linksabbiegern warten und verliere wieder etwas von der wertvollen Reisezeit meiner Kunden. Darum ist es konsequent, die Straßenbahngleise vom Autoverkehr zu trennen. So wie es bei den Neubaustrecken der 2. Nord-Süd-Verbindung gemacht wird. Denn dann kann die Bahn einfach an den Autos vorbeifahren. Leider sind bisher erst gut die Hälfte der Straßenbahnstrecken in Magdeburg vom Autoverkehr getrennt, sodass wir immer nur im Stadtverkehr „mitschwimmen“ können. Aber es besteht Hoffnung, denn es werden stetig mehr!

Ein anderer Faktor sind aber manchmal sogar wir Fahrgäste.

Am besten wäre es nämlich, wenn bei der Einfahrt der Bahn alle Menschen an den Türen parat stünden. Mit Mund-Nasen-Bedeckung. Wie bei der „großen“ Bahn im Bahnhof.
Stattdessen stauen sich die Fahrgäse oft in Gruppen an einer Tür, obwohl alle anderen Türen offen sind. Nutzt also am besten alle Türen der Bahn (das sind mindestens 3 pro Wagen).
Einige bleiben auch in der Tür stehen, um ihre Mund-Nasen-Bedeckung aufzusetzen oder den Fahrschein abzustempeln, und behindern so andere Fahrgäste beim Einsteigen. Auch oft beobachtet: Mit einem Bein bereits in der Tür stehen, das andere aber noch draußen, weil man noch schnell zwei Züge an der Zigarette ziehen will. Das kostet alles Zeit, die wir an der Haltestelle stehen.

Leider kommt noch ein weiterer „Trend“ hinzu: das Aufhalten von Türen für andere Menschen. Eine an sich freundliche Geste entpuppt sich bei näherer Betrachtung somit schnell als ziemlich rücksichtsloses Verhalten.

Ein Bespiel: Bleiben wir mal bei der Linie 3. Ich fahre also meine Bahn zum Hasselbachplatz, wo ich bereits mit drei Minuten „plus“ ankomme. Fahrgäste steigen aus, neue steigen ein. Alle drin? Prima! Jetzt kann es losgehen! Doch Moment, die Türen sind noch nicht zu. Ein Blick in den Spiegel und ich sehe: In der letzten Tür steht ein junger Mann und winkt eine Gruppe von Personen auf der gegenüberliegenden Straßenseite heran. Nett von ihm, oder? Nicht wirklich, denn die Fahrgäste, die pünktlich an der Haltestelle waren, mussten schon drei Minuten länger warten, wegen der Ampel am Südring. Jetzt müssen sie also auch noch auf die Menschen warten, die viel zu spät kommen (denn eigentlich wäre ich ja schon vor drei Minuten abgefahren). Wenn dann also endlich alle eingestigen sind, kann ich losfahren. Jetzt zeigt mein Bordrechner schon „+5“ und die Reaktion der Fahrgäste an der nächsten Haltestelle könnt ihr euch sicher denken. Und ein weiterer Punkt kommt jetzt hinzu: Die Fahrgäste wissen nicht, ob ich nun fünf Minuten zu früh oder eben fünf Minuten zu spät bin. So beschweren sie sich häufig über die angebliche Verfrühung. Die ja gar keine ist.

Wie kann man jetzt also als Kunde mitwirken?

Bevor ich zur Haltestelle gehe, schaue ich noch einmal in den „Fahrplan“, wann denn meine Bahn genau an der Haltestelle abfährt. Das kann ich ganz bequem vom Sofa aus auf meinem Handy machen, denn auf www.mvbnet.de gibt es die Abfahrtszeiten in Echtzeit oder ich nutze eine der vielen Smartphone-Apps wie easy.GO oder INSA. Zwei Minuten vor der Abfahrt stehe ich dann bereit, setze meine Mund-Nasen-Bedeckung auf und steige an einer Tür ein, an der nur wenig Andrang herrscht. Wenn ich in der Bahn bin, bleibe ich natürlich nicht einfach im Türbereich stehen, sondern gehe weiter in den Wagen und mache somit Platz für andere Fahrgäste.

Fazit

Keine Fahrerin und kein Fahrer der MVB kommt absichtlich zu spät. Die Gründe für Verspätungen sind vielfältiger Natur. Eine verpasste Ampelphase an einer Kreuzung oder ein sturer Autofahrer reichen schon aus, um eine kleine Verspätung zu haben. Auch wir Fahrgäste können mithelfen, dass alle pünktlich ans Ziel kommen.
Und jetzt noch eine „unglaubliche“ Statistik für alle, die es ganz genau wissen wollen: Im vergangenen Jahr waren nahezu 90 % aller Fahrten pünktlich, kamen also maximal 5 Minuten zu spät.

Also, wenn’s mal wieder länger dauert: Schnapp nicht gleich ein. Wir tun täglich unser Bestes und sitzen doch alle in einer Bahn! 😉

Auf bald!

3 Responses

  • Ich finde diesen Beitrag wirklich hilfreich, denn auch ich rege mich in der Bahn auch meisten über den Verkehr, die nicht achtsamen Fahrgäste die noch andere Leute ran winken sowie meist über die Ampelschaltungen auf.

    Vielleicht können die Fahrgäste so endlich mal die Augen geöffnet werden. Danke dafür und Daumen hoch für diesen Blog. 👍

  • Auch bei der großen Bahn funktioniert das nicht, man hat 14 Türen und besonders in Hamburg wollen 800 Leute durch 4 Türen. Der Weg ist ja auch kürzer von den Treppen. Aber das man den selben Weg im Zug zurücklegen muss und es dort sehr eng ist, daran denkt keiner.

  • Sicherlich wichtig zu verstehen, wie es zu Verspätungen kommt.
    Aber die Statistik wurde sehr geschönt:
    Als Fahrgast ist es für mich schon ab 2 Minuten Verspätung unangenehm. Wenn aber eine Verspätung erst ab 5 Minuten eine solche ist, dann gehen ja viele Verspätungen, gar nicht in die statistik ein… ich würde sagen bei 3 Minuten Verspätung ist nur noch 60 % pünktlich.

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